Ein Tag Duisburg

Einen herrlichen Tag haben Hanna und ich beim lang geplanten Stadtbesuch in Duisburg erlebt. Neugierig geworden auf diese bemerkenswerte Kulisse waren wir durch eine Kolumne im Zeit-Magazin unter dem Titel Da wollten Sie nie hin, aber jetzt sind Sie nun mal da. – Leider hatten wir den Sommer über so viel anderes vor, dass der Tag des Geschehens auf einen stürmisch-grauen, nasskalten Herbsttag fiel. Doch das düstere Wolkenszenario passte hervorragend zum apokalyptischen Panorama, das sich vor uns ausbreitete, als wir oben auf der Plattform des Alsumer Bergs standen: Gasflammen, Zischen, Züge, Schlote und kilometerlang verschlungene Rohre belohnten uns für den Anstieg, gepaart mit dem unverkennbaren Odeur des nahe gelegenen Klärwerks. Hier trifft aufeinander, was niemand sehen will. Ein spannender Ort.

Weiter ging es nach Duisburg-Marxloh. Ein Arbeiterviertel, das heute fast durchweg von Gastarbeitern und den nachfolgenden Generationen bewohnt wird. Auf der Weseler Straße reiht sich ein Brautmodenladen an den nächsten. Vor den Eingängen fällt die ungewöhnliche Art des Parkens auf – mitten auf der vierspurigen Straße, vorzugsweise von Autos mit Stern oder drei Buchstaben. Der Gegensatz von Glanz, Glitter und Beleuchtungsexperimenten zum spröden Charme heruntergekommener 50er-Jahre-Bauten sticht ins Auge. Andere Geschäfte ziehen uns in ihren Bann mit ihren Auslagen für Feste, die uns gänzlich unbekannt sind. Wir kommen mit Kundinnen ins Gespräch und erfahren zum Beispiel, was man in türkisch geprägten Gegenden zur Geburt eines Kindes schenkt. 

Ich finde es spannend, ganz in meiner Nähe an einem Orte zu sein, der mich vollkommen fremd fühlen lässt. Meine Sinne schalten einen Gang hoch und verleihen allem eine andere Intensität.

 

„My favorite place is to be where I`ve never been.“ (Diane Arbus)

 

Bei der Rückfahrt haben wir den nächsten Duisburg Besuch geplant. Diesmal im Frühling.